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Autorin: Carolin Kühnast – Apothekerin & Fachautorin
Kind sitzt mit Oma zusammen am Tisch und spielt Mikado.

Starkes Team: So hängen Darm und Gedächtnis zusammen

Darm und Gehirn sind eng miteinander verbunden und stehen in regem Austausch. Sie beeinflussen sich gegenseitig und das in beide Richtungen: Gedanken wie Nervosität oder Verliebtsein können ein „flaues Gefühl im Magen“ oder "Schmetterlinge im Bauch" auslösen. Andersherum hat aber auch die Gesundheit des Darms einen Einfluss auf die Stimmung, das Gedächtnis und darauf, wie man mit stressigen Situationen umgeht.

Enger Kontakt: „Darm-Hirn-Achse“

Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn wird als „Darm-Hirn-Achse“ bezeichnet. Damit der Austausch funktioniert, übertragen u.a. Nerven, Hormone und Stoffwechselprodukte von Darmbakterien Signale von einem Organ zum anderen. Die guten Darmbakterien stellen zum Beispiel kurzkettige Fettsäuren her, die wichtig für zahlreiche Vorgänge im Körper sind. Außerdem wird Serotonin gebildet, ein Stoff, der zu den „Glückshormonen“ gehört und für eine gute Stimmung sorgt. Zudem sitzt ein Großteil des Immunsystems im Darm – nämlich ungefähr siebzig Prozent davon. Bei vielen Erkrankungen, die das Gedächtnis betreffen, spielen Entzündungen eine wichtige Rolle. Deshalb liegt es nahe, dass der Darm in die Entstehung zahlreicher Krankheiten involviert sein könnte. Geht es ihm und seinen Bewohnern nicht gut, kann die so wichtige Verbindung zum Gehirn gestört werden.

Das haben Forscherinnen und Forscher in den vergangenen Jahren bereits untersucht. Ein gestörter Austausch steht mittlerweile in Verbindung mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, aber auch mit Krankheiten, die das Gedächtnis beeinflussen – allen voran Demenz und Alzheimer. Wie genau der Darm hier einen Einfluss nimmt, ist bis heute nicht abschließend erforscht. Langfristig könnten sich durch das neue Wissen jedoch moderne Behandlungsmöglichkeiten ergeben.

Frau rührt ihren Joghurt um

Gut zu wissen: Was ist das Mikrobiom des Darms?


Als Mikrobiom oder „Darmflora“ bezeichnet man die Gesamheit aller Mikroorganismen im Darm, darunter sehr viele Bakterien. Besonders wichtig sind Milchsäure- und Bifidobakterien, die dabei helfen, den Darm gesund zu halten. Wie die Darmflora zusammengesetzt ist, hängt von der Genetik, aber auch vom persönlichen Lebensstil ab. Eine darmgesunde Ernährung kann dazu beitragen, dass die Verdauung reibungslos funktioniert und viele gute Bakterien den Darm besiedeln.

 ältere Frau in der Küche

Darmgesundheit und Alzheimer: Gibt es einen Zusammenhang?


Inzwischen zeigen Studien, dass bestimmte Bakterienstämme im Darm mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer in Verbindung stehen könnten: Bei Betroffenen von Alzheimer wurde festgestellt, dass ihr Darmmikrobiom anders zusammengesetzt ist als bei gesunden Menschen. Hier ist jedoch unklar, ob die Erkrankung selbst diese Veränderungen entstehen lässt oder ob der Ursprung im Darm liegt. Es steht jedoch fest, dass bei der Entwicklung von Alzheimer Entzündungen und das Immunsystem eine bedeutende Rolle spielen - Prozesse, für die ein gesunder Darm wichtig ist.

Gesundes Gedächtnis durch vielfältige Darmbakterien

Es kann passieren, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora so verändert, dass deutlich weniger gute Bakterien vorhanden sind. Dieses Ungleichgewicht wirkt sich wahrscheinlich negativ auf die Gedächtnisleistung aus. Forscherinnen und Forscher konnten auch Auswirkungen auf die Konzentration und auf das Bewältigen von Lernaufgaben feststellen.

Um das Mikrobiom des Darms und indirekt auch das Gedächtnis lange gesund zu halten, sollte die Ernährung ausgewogen und reich an Ballasstroffen sein. Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi oder Joghurt enthalten von vornherein probiotische Bakterien, die dem Darm guttun. "Brain Food" unterstützt sogar die Konzentration Stress kann, wenn er über einen langen Zeitraum besteht, einen negativen Einfluss auf die Darmflora haben. Neben Anspannung und Schlafproblemen kommt es oft auch zu einem „gereizten Darm“, was eine Art Teufelskreis auslöst, da sich alle Bereiche gegenseitig immer wieder anheizen. Phasen der Entspannung und Ruhe sollten deshalb regelmäßig in den Alltag einfließen, um Darm und Gedächtnis gesund zu halten.

Bei Darmproblemen können Nahrungsergänzungsmittel mit guten Darmbakterien sinnvoll sein. Sie werden als Probiotika bezeichnet und enthalten meist verschiedene Bakterienstämme, die das Darmmikrobiom wieder ins Gleichgewicht bringen. Häufig sind auch Präbiotika enthalten, welche als Futter für die guten Darmbakterien dienen. Das hilft bei der Vermehrung, sobald das Probiotikum den Darm erreicht hat. Ist die Darmflora wieder im Gleichgewicht, kann das langfristig dabei helfen, stressige Situationen besser zu meistern und die Gedächtnisfunktion zu unterstützen. Derzeit gibt es jedoch noch kein Produkt, was als wirksame „Gedächtnistherapie“ bezeichnet werden kann. Die Forschung steckt nach wie vor in den Kinderschuhen und es fehlen aussagekräftige Daten, die klare Wirksamkeitsbelege liefern. Lassen Sie sich deshalb bei der Auswahl eines passenden Probiotikums in Ihrer Apotheke vor Ort beraten.

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